Überblick
Partnervermittlung kündigen: Was für Ihren Vertrag gilt
Zuerst zählt, mit wem Sie den Vertrag haben. Bei einer Online-Partnervermittlung kaufen Sie eine Mitgliedschaft mit fester Laufzeit, die ordentlich zum Laufzeitende gekündigt wird. Bei einer klassischen Agentur schließen Sie einen Dienstvertrag über persönliche Vermittlung. Den können Sie nach § 627 BGB jederzeit fristlos kündigen, weil er auf besonderem Vertrauen beruht.
Danach zählt das Datum des Vertragsschlusses. Für Verträge ab dem 1. März 2022 gilt: Die Kündigungsfrist darf höchstens einen Monat vor Ablauf der Erstlaufzeit betragen, und verlängert sich der Vertrag, dann nur auf unbestimmte Zeit mit monatlicher Kündbarkeit. Ältere Verträge laufen nach den alten Regeln, einzelne Klauseln haben Gerichte aber gekippt.
Ablauf
So kündigen Sie Schritt für Schritt
Haben Sie online abgeschlossen, suchen Sie auf der Website die Schaltfläche Verträge hier kündigen. Sie muss seit dem 1. Juli 2022 ohne Umwege erreichbar sein. Auf der nächsten Seite geben Sie an, welchen Vertrag Sie kündigen, wer Sie sind und zu wann, und bestätigen mit jetzt kündigen. Der Anbieter muss Ihnen sofort eine Bestätigung in Textform schicken. Fehlt der Button oder funktioniert er nicht, dürfen Sie nach § 312k BGB jederzeit ohne Frist kündigen.
Alternativ kündigen Sie per E-Mail oder Brief. Nach § 309 Nr. 13 BGB darf ein Anbieter keine strengere Form als die Textform verlangen, eine E-Mail genügt also. Nennen Sie Name, E-Mail-Adresse des Kontos, Kundennummer und den Satz, dass Sie zum nächstmöglichen Termin kündigen. Bitten Sie um eine Bestätigung mit dem Enddatum. Bei einer Agentur schicken Sie die Kündigung am besten per Einschreiben, damit der Zugang belegt ist.
Ist der Vertrag noch keine 14 Tage alt und online oder bei Ihnen zu Hause geschlossen, ist der Widerruf oft der bessere Weg als die Kündigung. Sie zahlen dann höchstens einen Wertersatz für die Tage, die Sie genutzt haben. Der Europäische Gerichtshof hat 2020 entschieden, dass er zeitanteilig berechnet wird. Die Verbraucherzentrale Hamburg rechnet vor: Bei 409,32 Euro Jahrespreis und zwölf Tagen Nutzung sind das 13,46 Euro, gefordert hatte der Anbieter 306,99 Euro.
Budget
Was das Kündigen einer Partnervermittlung kostet
Die Kündigung selbst kostet nichts, weder über den Button noch per E-Mail. Bei einer Online-Mitgliedschaft zahlen Sie bis zum Ende der Erstlaufzeit, die meist schon beim Kauf vollständig beglichen wurde. Bei Verträgen ab März 2022, die sich bereits verlängert haben, kommt höchstens noch ein Monatsbeitrag dazu. Eine eigene Gebühr für die Bearbeitung Ihrer Kündigung sieht das Gesetz nicht vor.
Bei einer Agentur dürfen Sie jederzeit kündigen, bezahlen aber die bereits gelieferten Vorschläge; so entschied der Bundesgerichtshof 2009 bei 5.000 Euro für fünf Vorschläge. Haben Sie für eine lange Laufzeit viel im Voraus gezahlt, lässt sich ein Teil zurückfordern: Ein Amtsgericht sprach einer Kundin nach zwei Jahren die Hälfte ihres Vorschusses zu.
Preisübersicht
Preise im Detail nach Ausführung
Bundesweit übliche Preisspannen, ohne Sonderangebote und Rabattaktionen.
| Angebot | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Kündigung über den Kündigungsbutton | 0 € | Sofortige Eingangsbestätigung in Textform; Screenshot der Bestätigungsseite sichern |
| Kündigung per E-Mail | 0 € | Textform genügt nach § 309 Nr. 13 BGB; Bestätigung mit Enddatum anfordern |
| Nach Verlängerung (Vertrag ab März 2022) | Höchstens 1 Monatsbeitrag | Verlängerte Verträge sind monatlich kündbar, eine Jahresbindung ist unzulässig |
| Widerruf in den ersten 14 Tagen | Jahrespreis / 365 × Tage | Beispiel der Verbraucherzentrale Hamburg: 13,46 € statt 306,99 € |
| Agentur, Kündigung nach § 627 BGB | Bereits gelieferte Vorschläge | Jederzeit möglich; zu viel gezahlte Vorschüsse anteilig zurückfordern |
| Unwirksame Verlängerung (Altvertrag) | Rückforderung möglich | Halbjahresverträge mit Jahresverlängerung, BGH 17. Juli 2026; Musterbrief nutzen |
| Abbuchung nach Vertragsende | 8 Wochen Rückgabefrist | Lastschrift bei der Bank zurückholen, bei Überweisung ist das nicht möglich |
Gut zu wissen
Wann Sie Ihre Partnervermittlung kündigen sollten
Kündigen Sie, sobald Sie wissen, dass Sie nicht verlängern wollen, nicht erst kurz vor Ablauf. Eine Kündigung zum Ende der Erstlaufzeit ist jederzeit vorher möglich, und Sie können die Mitgliedschaft trotzdem bis zum letzten Tag nutzen. Wer eine Beziehung gefunden hat, kündigt am besten sofort und lässt das Profil anschließend löschen. Wer unzufrieden ist, weil die Vorschläge nicht zu den vereinbarten Kriterien passen, notiert konkrete Beispiele: Alter, Entfernung, Kinderwunsch.
Prüfen Sie außerdem alte Verträge. Der Bundesgerichtshof hat am 17. Juli 2025 (Az. III ZR 388/23) entschieden, dass sich Halbjahresverträge eines großen Anbieters nicht automatisch um ein ganzes Jahr verlängern durften, wenn die Kündigungsfrist zwölf Wochen betrug. Betroffen sind Verträge bis Februar 2022. Die Beiträge für die Verlängerung können Sie zurückfordern, ein fristloses Kündigungsrecht gab das Gericht Online-Kunden aber nicht.
Tipps
Die Tipps von Rolandin vor der Anmeldung
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Button suchen, Screenshot machen
Ich kündige über die Schaltfläche Verträge hier kündigen und mache von der Bestätigungsseite einen Screenshot. Die E-Mail mit der Eingangsbestätigung hebe ich auf.
Datum sofort notieren
Tragen Sie das Ende der Erstlaufzeit gleich nach dem Kauf in den Kalender ein, mit zwei Wochen Puffer vor der Frist. So verlängert sich nichts aus Versehen.
E-Mail genügt
Verlangt der Anbieter einen Brief per Post, lasse ich mich nicht aufhalten. Strengere Formen als die Textform darf er nicht vorschreiben, eine E-Mail reicht.
Agentur jederzeit
Bei einer klassischen Agentur kündige ich, sobald ich merke, dass es nicht passt. Das erlaubt § 627 BGB jederzeit, auch wenn im Vertrag etwas anderes steht.
Lastschrift im Blick
Wird nach dem Vertragsende trotzdem abgebucht, holen Sie die Lastschrift binnen acht Wochen bei Ihrer Bank zurück. Ich schreibe dem Anbieter parallel eine kurze E-Mail.
Profil löschen lassen
Kündigen heißt nicht löschen. Ich verlange ausdrücklich die Löschung meiner Daten und lasse sie mir schriftlich bestätigen, sonst bleibt das Profil womöglich stehen.
FAQ
Häufige Fragen
Welche Kündigungsfrist gilt bei einer Partnervermittlung?
Für Verträge ab dem 1. März 2022 höchstens ein Monat vor Ende der Erstlaufzeit. Verlängert sich der Vertrag, dann nur auf unbestimmte Zeit, und Sie können jederzeit mit einem Monat Frist kündigen. Bei älteren Verträgen gilt, was in den AGB steht, soweit es wirksam ist. Einen Agenturvertrag können Sie nach § 627 BGB jederzeit fristlos beenden.
Wie funktioniert der Kündigungsbutton bei einer Online-Partnervermittlung?
Seit Juli 2022 muss jeder Anbieter, bei dem Sie online abschließen können, eine gut sichtbare Schaltfläche Verträge hier kündigen anbieten, erreichbar ohne Umwege. Sie geben Vertrag, Namen und Kündigungszeitpunkt an und bestätigen mit jetzt kündigen. Die Eingangsbestätigung muss sofort in Textform kommen. Fehlt der Button, dürfen Sie jederzeit ohne Frist kündigen.
Muss ich eine Partnervermittlung per Einschreiben kündigen?
Nein. Nach § 309 Nr. 13 BGB darf ein Anbieter in seinen AGB keine strengere Form als die Textform verlangen, eine E-Mail reicht also aus. Wichtig ist, dass Sie den Zugang beweisen können: Heben Sie die Bestätigung auf oder machen Sie einen Screenshot. Bei einer Agentur mit hohem Vorschuss ist ein Einschreiben trotzdem ein sicherer Nachweis.
Kann ich eine Online-Partnervermittlung fristlos kündigen?
In der Regel nicht. Der Bundesgerichtshof hat im Juli 2025 ein fristloses Kündigungsrecht für Kunden einer großen Online-Vermittlung abgelehnt. Ausnahmen gibt es, wenn der Kündigungsbutton fehlt oder ein wichtiger Grund vorliegt. In den ersten 14 Tagen ist der Widerruf der einfachere Weg; Sie zahlen dann nur die genutzten Tage anteilig.
Bekomme ich nach der Kündigung einer Partnervermittlung Geld zurück?
Bei einer Online-Vermittlung meist nicht für die laufende Erstlaufzeit. Anders bei unwirksamen Verlängerungen: Nach dem BGH-Urteil vom 17. Juli 2025 können Kunden mit Halbjahresverträgen bis Februar 2022 die Beiträge für die Verlängerung zurückfordern. Bei einer Agentur lassen sich zu viel gezahlte Vorschüsse anteilig zurückverlangen. Solche Ansprüche verjähren nach drei Jahren.
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